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    THEMEN > Politik und Gesellschaft > Religion und Glauben >
3. Brühler Tagung junger Asienexperten, Mai 2001

"Geheimgesellschaften" in der VR China: Spirituell-religiöse Bewegungen seit 1978 - Entstehung, Entwicklung und Interaktion mit dem Staat
von Kristin Kupfer, Zentrum für Ostasien-Pazifik-Studien, Universität Trier

- Einleitung
1. Historische Dimensionen von Geheimgesellschaften
2. Chanchu Huidaomen - Ausrottung von Geheimgesellschaften als Überbleibsel der "alten, feudalistischen Gesellschaft"
3. Religiöse Aktivitäten und administrative Gestaltung nach 1978
4. Spirituell-religiöse, christlich inspirierte Bewegungen der 90er-Jahre
5. Weiterführende Aspekte
- Literatur
- Fußnoten

Fußnoten

1. Jonny Erling, "China setzt auf Mobilisierung der Massen", in: Die Welt, 28.7.1999.

2. Renmin Ribao (RMRB), 17.3.2001 und 26.3.2001.

3. Unter "Geheimgesellschaften" werden im Folgenden solche Gruppierungen verstehen, die eine identitätsstiftende Gemeinschaft bilden (als Ergänzung oder Alternative zu traditionellen, auf Verwandtschaft oder Beruf basierenden Gemeinschaften), in Lehren oder Ritualen einen synkretistischen Charakter aufweisen und deren Aktivitäten und/oder Organisation aufgrund perzepierter bzw. realer staatlicher Repressionen im informellen Bereich angesiedelt sind.

4. Sowohl die Resolution des Nationalen Volkskongresses vom 30.10.1999 als auch die Erklärung des Obersten Gerichtshofs und der Staatsanwaltschaft vom 9.10.1999 sprechen allgemein von "Kulten" (xiejiao). Zudem fand vom 9. bis 10. November ein internationales Symposium über Kultfragen (xiejiao wenti guiji yantaohui) in Beijing statt. Am 13.11.2000 wurde die "China Anti-Cult Association" (CACA) (Zhongguo fanxiejiao xiehui) unter dem Institut für Wissenschaft und Technik (Zhongguo kexue jishugu-an) gegründet. Sie besteht überwiegend aus Naturwissenschaftlern und immerhin zwei religiösen Vertretern der staatlichen katholischen und buddhistischen Kirche (vgl. www.anticult.org).

5. Einige Geheimgesellschaften wie der "Weg des alles durchdringenden Prinzips" (Yiguandao) und der "Weg des gelben Himmels" (Huangtiandao) haben ihren Ursprung in der frühen Qing-Zeit und waren bis zur Gründung der VRC aktiv, Yiguandao sogar bis in die 90er-Jahre..

6. Wakeman, Frederick Jr. (1977), "Rebellion and Revolution: The Study of Popular Movements in Chinese History", in: Journal of Asian Studies, Vol. XXXVI, No. 2, February 1977, S. 201-237 (211).

7. Tefft, Stanton K. (1992), The Dialectis of Secret Society Power in States, New Jersey/London: Humanities Press, S. 94.

8. Diese waren bei den meisten Geheimgesellschaften eher die Ausnahme als die Regel. Umstritten ist, inwiefern Aufstände primär das Produkt interner Strukturen (einer eschantologischen Lehre und eines daraus resultierenden "Erfüllungsdrucks" auf die An-führer) oder staatlicher Repressionen sind. Vgl. zum Beispiel Naquin, Susann (1976), Millenarian Rebellion in China. The Eight Triagramms Uprising of 1813, New Haven/London: Yale University Press für erstere, Harell/Perry 1982 für letzere Position.

9. Die KPCh selbst hatte zu diesem Zeitpunkt 4.448.080 Mitglieder, vgl. Spence, Jonathan D. (1990), The Search for Modern China, London: Century Hutchinson Limited, S. 519.

10. In den 20er- und 30er-Jahren galten die Geheimgesellschaften aufgrund ihrer ländlichen Basis als umworbene Verbündete. Mitglieder der kommunistischen Partei wie He Long, Liu Chidan und Zhu De ließen sich bei der Gelaohui (Gesellschaft der älteren Brüder) oder Qingbang (Grüne Bande) initiieren, Letzter bezeichnet die Organisationsstruktur der Geheimgesellschaften sogar als Vorbild für die Parteizellen. Bekannt ist darüber hinaus Maos Appell an die Gelaohui aus der Zeit der Einheitsfront gegen die Japaner (Chesneau 1971: 13, 240, Murray 1989: 99).

11. Nach offiziellen Statistiken stieg die Zahl der Protestanten von rund 1 Millionen 1980 auf 4 Millionen 1990. Inoffizielle Schätzungen sprechen von rund 20 Millionen Anfang der 90er-Jahre (Hunter/Chan 1993: 71).

12. Liang Jiarun, "Rural Christianity and Chinese Folk Religions", tranlated by Alison Hurdie, in: China Study Journal, Vol. 14, No. 2, August 1999, S. 22-31.

13. Vgl. MacInnis, Donald, Religion in China today: policy and practise, Maryknoll, N.Y.: Orbis Books, 1989, S. 385-410

14. Feng Lida, Jiankang, jianmei, changshouxue (Gesundheit, Schönheit und die Wissenschaft des langen Lebens), Beijing: Ren-min tiyu chuabanshe 1999. Prof. Feng Lida ist Leiterin des Forschungszentrums für Qigong am 1. Beijinger Marinekrankenhaus, wo sie mit staatlicher Finanzierung u.a. die Wirkung von Qigong auf Krebsleiden, Wachstum und Infektionskrankheiten untersucht. Politisch bestens vernetzt, ist ihr Institut von einer nationalen Überprüfungen aller Qigong-Vereinigungen und Institute im Zuge der Kampagne gegen Falungong relativ unbeeinflusst geblieben. Gespräch in Beijing, September 2000.

15. "China to scrutinise spiritual groups similar to Falun Gong", Pressemeldung AP, 20.1.200, in: China Study Journal, Vol. 14, No. 3, Dezember 1999, S. 83, und Chen, Nancy, "Urban spaces and experience of qigong, in: Davis, Deborath S. et al., Urban spaces in Contemporary China. The potential for autonomy and community in post-Mao-China, Washington/New York: Wood-row Wilson Center Press/Cambridge University Press, 1995, S. 347-361 (348). Die Gruppe "Zhonggong", deren Anführer Zhang Hongbao sich zur Zeit auf Guam befindet und politisches Asyl beantragt hat, ist ebenfalls ins Schussfeuer der Regierung geraten, vgl. FAZ, 10.3.2001.

16. Nach Chesneaux (1971:16) steht das hui für huidang (Bezeichnung für primär sozio-politisch orientierte Geheimgesellschaften, z.B. die Triaden, Gesellschaft der kleinen Messer, die Roten Speere etc.), dao für die der Regierung am meisten Unmut bereitenden Yiguandao, Jiugongdao u.a. und men für jiaomen (Bezeichnung für religiöse Schulen, z.B. Bailianjiao, Baguajiao etc.).

17. Aufschlussreich ist eine Umfrage kurz nach Gründung der VRC im Dorf Shanghuazhuang, Provinz Shanxi: 74% der Bauern mit mittlerem und niedrigem Einkommen waren Mitglieder der Yiguandao. Von den 520 Mitgliedern sind 230 beigetreten, um ihre Familie gegen Naturkatastrophen und Wechselhaftigkeiten des Lebens zu schützen. 72 Personen hofften auf Reichtum, 45 auf eine Heilung der Krankheiten ihrer Kinder und 15 auf die eigene Gesundung. 42 Mitglieder erhofften den Schutz der Götter für ihre Söhne in der Armee, 38 wollten sich eines Lebens nach dem Tod mit ihren verstorbenen Verwandten versichern, 23 Personen beteten um Kinder, 21 wollen ihre schlechten Gewohnheiten ablegen und 11 Frauen sorgten sich um ihre Ehemänner, die aus verschiedenen Gründen die Familie verlassen hatten. 80 traten bei, um "Unsterbliche" zu werden (Munro 1989: 14).

18. Gonganbu yi ju, Fan huidaomen, Beijing: Qunzhong chubanshe, 1985, S. 60. Dieser Bericht gelangte in den 80er-Jahren über Stockholm in westliche Wissenschaftskreise.

19. Im Zuge der diesem Thema zugrunde liegenden Magisterarbeit steht eine gründliche Bearbeitung noch aus.

20. "Chinese House Church Leaders issue documents", Introduction and Translation by Jonathan Chao, in: China Study Journal, Vol. 13, No. 3, Dezember 1998, S. 54.

21. Wang (2000), S. 158-186.

22. Li (2000), S. 184-235. Laut einer Beijinger Zeitung sagte Liu Jiaguo, der Anführer von der "Lehre des höchsten Geistes", bei seiner Verhaftung aus, dass er durch seine Lehre Leute bewusst täuschen wollte, um Zugang zu Macht, Geld und Frauen zu erlangen; AP-Meldung vom 18.10.199 unter www.rickcross.com/reference/cs/cs10.html, Zugang am 25.12.2000.

23. "Gefährdung der Volksgesundheit" ist in Artikel 36 als ein Charakteristika für "nicht normale" religiöse Aktivitäten festgeschrieben. In Anbetracht der Selbstentzündung der FLG-Anhänger auf dem Tiananmen-Platz scheint dies eine durchaus legitime Sorge zu sein. Andererseits dient dieses Argument im Falle der True Jesus Church (TJC), deren Glauben Taufen in fließenden Gewässern vorschreibt, lokalen Büros für religiöse Angelegenheiten auf Drängen der offiziellen Kirchen dazu, der TJC eine Registrierung zu verweigern (Gespräch mit Herrn Dr. Gotthard Oblau, März 2001).

24. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang die Äußerung eines älteren Beijinger Regierungsoffiziellen: "Religious people think they are special. There again so do intellectuals and so do journalists. In fact all policies concerning these people are essentially the same. They are part of the overall ideological control mechanism. The basic principle is: if they are obedient, then we treat them well. If they are not, then we will discipline them." (Hunter /Chan 1993: 28)

25. RMRB, 4.4.2001.

26. Gespräch in Beijing, September 2000.

 

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