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Mao und Stalin
Verriet Stalin 1945 die kommunistische Revolution in China? - Anja Jakob

- Zusammenfassung -

1919 trafen sich in einer Mädchenschule innerhalb der französischen Konzession Shanghai zwölf Delegierte aus mehreren chinesischen Provinzen und gründeten in Anwesenheit und vielleicht sogar auf Veranlassung des soeben erst in China angekommenen holländischen Komintern-Agenten Maring alias Henricus J. F. M. Sneevliet die Kommunistische Partei Chinas. Gleichzeitig hielten sie den Ersten Nationalen Kongress der KPCh ab, auf dem sie eine Parteisatzung annahmen, ein Zentralbüro wählten, und sich in Ideologie und Organisation für eine Politik entschieden, die sich – wie einer der Teilnehmer später schrieb – weitgehend an den Erfahrungen der bolschewistischen Partei Rußlands orientierte. Wenngleich jene zwölf Delegierten, die sich in Shanghai trafen, nicht mehr als ungefähr sechzig kommunistische Mitglieder repräsentierten, so bildeten diese dennoch den Kern einer Bewegung, die im Laufe der nächsten Jahre beträchtlich wachsen und kaum drei Jahrzehnte später die Macht in China übernehmen sollte.

Drei Jahrzehnte später – der zweite Weltkrieg ging seinem Ende entgegen – blickten die Führer der Sowjetunion und der Kommunistischen Partei Chinas mit gemischten Gefühlen auf die bisherige Entwicklung ihrer Beziehungen zurück. Einerseits fühlten sie sich nach wie vor durch die gemeinsame Ideologie des Marxismus-Leninismus und durch den eschatologischen Glauben an die Weltrevolution verbunden. Andererseits hatte die von beiden Seiten verfolgte jeweilige Interessenpolitik immer wieder zu Zielkonflikten und Irritationen geführt.

Eklatant aber durchzieht die Fehleinschätzung des chinesischen Kommunismus, von westlicher wie auch von russischer Seite, die Zeit der Positionskämpfe um die Vorherrschaft in China mit ihren Protagonisten Mao Tse-tung und Chiang Kai-Shek.

Briten und Amerikaner verfolgten zwar die Politik der KPCh und deren Pressestimmen aufmerksam, sahen jedoch keinen Grund zu Besorgnis. Auch hielt man bis in den Krieg hinein die Berichte über die Stärke der chinesischen Kommunisten für ebenso übertrieben wie die über ihren Puritanismus, ihren Kampfgeist und ihre Effizienz.

Moskau hingegen sah in Mao mehr einen Feind, denn einen Verbündeten: Maos Unabhängigkeitsstreben, sein Beharren auf einer eigenwilligen Revolutionsstrategie und die Beanspruchung der Äußeren Mongolei machten jedenfalls deutlich, dass man es nicht mit einem echten Kommunisten, einem internationalen Bolschewiken im Sinne Stalins, zu tun hatte.

Der spätere Sieg der Kommunisten war von Moskau keineswegs so beabsichtigt, wurde in diesem Umfang nicht erwartet, sondern war ein Ergebnis diverser Faktoren auf dem innen- und außenpolitischen Sektor.

Der entscheidende Faktor in der Beurteilung der chinesischen Kommunisten war wohl die Unkenntnis ihres Potentials. Hätte es eine tatsächliche und objektive Beurteilung der innenpolitischen Lage Chinas gegeben, wären die Interessen aller Alliierten während des 2. Weltkrieges in China anders ausgefallen.

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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