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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Chinas Menschenrechtsverständnis und -politik
- Jörg Siegmund
- Zusammenfassung -
Die Volksrepublik China steht seit über einem Jahrzehnt im
Brennpunkt der internationalen Menschenrechtspolitik. Die Sanktionen, die westliche
Staaten gegen die Volksrepublik nach der gewaltsamen Niederschlagung der innerchinesischen
Protestbewegung im Juni 1989 verhängt hatten, wurden zwar binnen weniger
Monate aufgehoben. Doch seither wird vor allem auf bilateraler Ebene versucht,
die Menschenrechtslage in China durch ihre Verknüpfung mit der Gewährung
von Wirtschaftshilfe und Handelsmöglichkeiten zu verbessern. Zudem sind
die westlichen Staaten bemüht, im Rahmen von internationalen Organisationen
wie zum Beispiel der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen auf die
Situation in China aufmerksam zu machen.
Jeder Dialog über Menschenrechte wird jedoch dadurch erschwert,
daß das Verständnis dieser Grundrechte abhängig ist von den
jeweiligen Vorstellungen von der Natur des Menschen. Da diese Auffassungen durch
die spezifische Kultur und Tradition einer Gesellschaft geprägt sind, ergeben
sich somit verschiedene Konzepte der Menschenrechte, die miteinander konkurrieren.
Der vorliegende Beitrag arbeitet zunächst idealtypisch die
christlich-abendländische Menschenrechtsidee heraus. Vor diesem Hintergrund
werden die Einflußfaktoren analysiert, welche die Entwicklung eines spezifisch
chinesischen Menschenrechtsverständnisses determinieren. Hierbei wird erstens
auf die konfuzianische Lehre eingegangen, die nachhaltig die asiatischen Vorstellungen
vom menschlichen Individuum, der Gesellschaft und dem Staat geprägt hat.
Der Beitrag thematisiert zweitens die chinesische historische Erfahrung, vor
allem seit der Teilkolonisierung im 19. Jahrhundert. Daran schließt drittens
eine Analyse der politisch-ideologischen Besonderheiten Chinas an, die sich
mit dem Einfluß des Marxismus, des Maoismus und der Reformperiode seit
1979 auf das herrschende Menschenrechtsverständnis auseinandersetzt.
In einem weiteren Hauptteil wird die gegenwärtige Menschenrechtspolitik
der Volksrepublik China untersucht. Dabei wird zunächst auf die Rolle der
Menschenrechte in den internationalen Beziehungen Chinas, die von der Volksrepublik
übernommenen Verpflichtungen auf diesem Gebiet und die im letzten Jahrzehnt
gefestigte chinesische Argumentation bezüglich der Menschenrechtspolitik
eingegangen. Daran schließt sich eine Darstellung der chinesischen Verfassungsbestimmungen
zu den Grundrechten an, die mit der Verfassungswirklichkeit kontrastiert wird.
Ein Ausblick auf mögliche künftige Entwicklungen und Konsequenzen
für Chinas internationale Partner rundet die Ausführungen ab.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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