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Das Verhältnis zwischen der VR China und der Republik China auf Taiwan gestern und heute - Markus Höhne

- Zusammenfassung -

Faktisch ist China seit Oktober 1949 zweigeteilt in die Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan. Betrachtet man jedoch die internationalen Entwicklungen bezüglich dieser chinesischen Teilung in den letzten 50 Jahren, kann man zu dem Schluss kommen, dass Blindheit gegenüber Fakten im Bereich der internationalen Politik durchaus zum Erfolg führen kann.

Die chinesische Regierung in Bejing, anerkannt von dem weitaus größten Teil der internationalen Staatengemeinschaft und vertreten bei den Vereinten Nationen, beansprucht für sich, "Gesamtchina", einschließlich der vor der Südost-Küste der Volksrepublik gelegenen Insel Taiwan, in der Welt zu vertreten. Dennoch halten ca. 28 vornehmlich subsaharische und südamerikanische Staaten sowie die meisten der über 20 Millionen Bewohner Taiwans auch angesichts diplomatischer und militärischer Drohungen seitens Festlandchinas an der Behauptung fest, dass es gegenwärtig entweder "zwei Chinas" oder ein China und ein Taiwan als jeweils unabhängige Staaten gibt.

Dieser Bruch in der weltpolitischen Realitätswahrnehmung bot den Stoff für den machtpolitischen Thriller, der sich in der ersten Hälfte des Jahres 2000 in der Straße von Taiwan abspielte. Der im Vorfeld der taiwanesischen Präsidentschaftswahlen aussichtsreichste und letztlich am 28. März 2000 zum Präsidenten gewählte Chen Shui-bian stand als Kandidat der "Democratic Peoples Party" (DPP) für die Unabhängigkeit Taiwans. Eine Unabhängigkeitserklährung der Insel hätte jedoch nach den unzweideutigen Verlautbarungen Beijings einen Militärschlag der VR China gegen die "abtrünnige Provinz" Taiwan zur Folge gehabt. Eine bewaffnete Auseinandersetzung in der Strasse von Taiwan wiederum hätte u.U. zu einer militärischen Konfrontation zwischen den USA und der VR China mit unabsehbaren Folgen geführt, da Washington die kommunistische Regierung in Bejing zwar seit 1979 als rechtmäßige Vertretung "Gesamtchinas" anerkennt, aber dennoch nie aufgehört hat, das wirtschaftlich und politisch dem Westen nahe stehende Taiwan militärisch zu unterstützen.

Dieses Horrorszenario ist nicht eingetereten. Der neue taiwanesische Präsident nahm von einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung Abstand. Beide "Chinas" scheinen sich, nicht zuletzt im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen und auch politischen Liberalisierungsbemühungen auf dem Festland, seit der Wahl des demokratisch-pragmatischen Chen sogar substantieller aneinander anzunähern als zu Zeiten Lee Denghuis, des vorhergehenden Regierungschefs in Taipei (an dessen Politik Chen sicherlich anknüpft, allerdings befreit von den Fesseln der nationalistischen Volkspartei "Kuomintang" KMT, der Lee angehörte).

Das komplizierte und sensible Verhältnis zwischen China und Taiwan zu Beginn des 21.Jh, das eng verbunden ist mit den zukünftigen wirtschafts- und sicherheitspolitischen Entwicklungen in Ostasien, kann nur aus der historischen Perspektive verstanden werden. In der vorliegenden Arbeit wird, ausgehend von den über hundert Jahre zurückliegenden Wurzeln des chinesischen Bürgerkrieges, auf die Beziehungen Festland- und Inselchinas bis Ende 1999 eingegangen. Dabei spielen die ideologischen Differenzen zwischen den beiden einflußreichsten, zu Beginn des 20.Jh gegründeten chinesischen Parteien eine wichtige Rolle. Es wird gezeigt, dass die Spaltung Chinas ein Resultat der programmatischer Differenzen zwischen der KMT und der "Kommunistischen Partei Chinas" (KPCh) ist. Diese Spaltung wurde im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte enorm von internationalen Entwicklungen, vom Ausbruch des "Kalten Krieges" bis hin zu den jüngsten WTO-Verhandlungen, beeinflusst. Gegenwärtig scheint die Regierung der Republik China auf Taiwan, die zu Beginn der 90er Jahre unter der Führung von Lee Denghui den seit 1927 andauernden chinesischen Bürgerkrieg einseitig beendet hat, nicht zuletzt auf Grund des lang andauernden wirtschaftlichen Aufschwungs ihre Position gegenüber der weltpolitisch enorm gewichtigen und militärisch z.T. sehr bedrohlichen Macht der VR China stabilisieren zu können. Eine friedliche Wiedervereinigung Chinas scheint nur langfristig, unter konsequenter Aufgabe der "alten" ideologischen Positionen beider Seiten, und vor allem über eine stabile chinesisch-chinesische Wirtschaftskooperation erreichbar zu sein.

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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