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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe,
Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf
- Zusammenfassung -
Die "Grosse Proletarische Kulturrevolution" war die letzte ideologische
und revolutionäre Massenkampagne des Gründers der Kommunistischen Partei Chinas
und chinesischen "Kultrevolutionärs": Mao Zedong. Ihr Ende markiert zugleich
das Ende der Ära Mao Zedong.
Um die Geschehnisse im Rahmen der "Großen Proletarischen Kulturrevolution"
von 1966 bis 1969 in der Volksrepublik China verstehen zu können, darf der Stellenwert
einer Kulturrevolution im Rahmen des allgemeinen chinesischen Revolutionskonzepts
nicht unterschätzt werden.
"Massenlinie" und "Klassenkampf" gehören bis zu Maos Tod 1976
zu den wichtigsten Herrschaftsinstrumenten der Kommunistischen Partei Chinas
(KPCh). In einer langen Serie von politischen Kampagnen werden die "Volksmassen"
immer wieder zur Durchsetzung der revolutionären Ziele der Partei und zur "Säuberung"
der Gesellschaft von "Klassenfeinden" mobilisiert. Mao initiiert die "Große
Proletarische Kulturrevolution", weil er die Revolution in der Gefahr wähnt,
von den übermächtigen egoistischen Interessen der bürokratischen Eliten überwuchert
und zur Karikatur verzerrt zu werden. Also mobilisierte er Rotgardisten und
revolutionäre Rebellen gegen die "konservativen und trägen" Kräfte in der KPCh
und der Gesellschaft. Die zu revolutionierende "Kultur" ist in diesem Konzept
im Sinne des marxistischen Überbaus zu verstehen; das heißt, die politischen,
juristischen, philosophischen, religiösen, künstlerischen und gesellschaftlichen
Ideen sowie die gesamte Organisationsstruktur (Staat, Religionsgemeinschaften,
Parteien) sollen durch einen am Denken Maos orientierten Bewusstseinswechsel
bzw. eine permanente kämpferische "Berichtigungsbewegung" erfasst werden und
durch ständige qualitative Änderungen auf das Endziel des Kommunismus zusteuern.
Mit der sogenannten "Hundert-Blumen-Bewegung" beginnt 1957 die
grundsätzlich kulturrevolutionär geprägte Periode bis zum Tode Maos 1976. Das
Bild der "Hundert Blumen" steht in dieser Kampagne für das Aufblühen kritischer
Meinungen, die das System voranbringen sollen auf dem Weg zur vollkommenen kommunistischen
Gesellschaft. Maos Aufruf zur Kritik an Einzelmissständen weitet sich jedoch
zu einer umfassenden, das politische System Chinas in seinen Grundfesten bedrohenden,
oppositionellen Widerstandsbewegung aus, so dass - um das System zu retten -
die Bewegung gewaltsam abgebrochen werden muss. Den Weg in die "Grosse Proletarische
Kulturrevolution" bahnt jedoch die zweite Massenkampagne, die radikale Politik
des "Grossen Sprung nach vorn", die China in eine nachhaltige Wirtschaftskrise
stürzt. Mao war der Überzeugung, dass nur eine Folge quantitativer und qualitativer
wirtschaftlicher Sprünge ein kommunistisches Bewusstsein unter der Bevölkerung
wecken könne. Das Programm, das die schnelle Verwirklichung der kommunistischen
Gesellschaftsordnung vorbereiten sollte, scheitert allerdings, so dass aus den
Debatten um eine innen- und wirtschaftspolitische Mässigung innerhalb der KPCh
schliesslich die Richtungskämpfe entstehen, die den Weg in die Kulturrevolution
ebnen.
Insbesondere der zunehmende Verlust an Unterstützung in der Partei
spricht neben dem ideologischen Hintergrund für eine machtpolitische Motivation
Maos und seiner Anhänger, die "Grosse Proletarische Kulturrevolution" auszurufen.
Die "Weisheit der Massen", die Mao für seine kulturrevolutionäre Kampagne mobilisiert,
sollte die intellektuelle Opposition inner- und ausserhalb der Partei zum Schweigen
bringen, und die wachsende Tendenz zur Revision des maoistischen Entwicklungskonzepts
für die chinesische Gesellschaft stoppen. Im Fall der "Grossen Proletarischen
Kulturrevolution" führte die Mobilisierung der Massen beinahe zum Zusammenbruch
des politischen Systems der Volksrepublik China, was aus heutiger Sicht als
Grund dafür gewertet werden kann, dass seit der "Kulturrevolution" vor allem
gemässigte Pragmatiker, wie Hua Guofeng und Deng Xiaoping, in der Parteiführung
der KPCh das Sagen haben. Offenbar ist das Versprechen von "Ruhe und Ordnung"
und die damit verbundene Chance, die Früchte des Aufbaus zu sichern und zu geniessen,
eher die Linie, der die Massen Folge leisten, ohne dass die Bewegung entartet.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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