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Projektgruppe Model United Nations, München 2000

China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges
- Miriam Clados

- Zusammenfassung -

Um das heutige Verhältnis der VR China zu Japan zu verstehen, kann man nicht umhin, einen Blick auf die gemeinsame Vergangenheit der beiden Länder zu werfen. Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind rund 2000 Jahre alt. Geprägt wurden sie am stärksten durch ein beständiges Ungleichgewicht. Bis ins 19. Jahrhundert war es China, das in politischen und kulturellen Fragen dominierte. Erst durch die verlorenen Kriege 1894/95 aber auch durch die Besetzung weiter Teile Chinas bis 1945 drehte sich dieses Verhältnis radikal um. Die zahlreichen, schweren Kriegsverbrechen, für die die japanischen Truppen eine traurige Berühmtheit erhielten, sorgen heute noch für Spannungen zwischen den beiden Ländern, denn Japan scheint kaum bereit zu sein, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen. China vermisst in diesem Zusammenhang eine deutliche Entschuldigung. Erst nach dem Bruch mit der Sowjetunion und dem Nixon-Besuch in der VR China 1972, kam es zu einer Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Japan und China, die in der Unterzeichnung des Freundschafts- und Friedensvertrages von 1978 mündeten. Durch diese Normalisierung gelang es den beiden Staaten, aus dem starren Verhältniss des Kalten Krieges herauszutreten. Dank der komplementären Wirtschaft entwickelten sich die Beziehungen rapide und diese enge Verknüpfung kann wohl auch heute noch als die tragende Säule der Beziehungen betrachtet werden. Daneben gewährt die japanische Regierung vielfältige Kredite und Entwicklungshilfe an die VR China. Daß China besondere Ansprüche auf eine finanzielle Unterstützung stellen kann, wird von Beijing stets mit dem Hinweis auf die japanische Besetzung Chinas betont. Japan wiederum hat seine Schuldgefühle jahrelang mit einem fast willfährigen Kurs gegenüber China ausgedrückt, gibt sich aber nun zunehmend selbstbewußter. Dies spiegelt sich auch in dem Verhalten Japans gegnüber Taiwan wieder, was ebenfalls immer wieder, besonders nach den neuen Vereinbarungen des US- japanischen Sicherheitsvertrags, zu einem Brennpunkt der bilateralen Beziehungen avanciert. China versucht jede sicherheitspolitische Konstellation, die Japan ein militärisches Gewicht geben würde und ganz besonders eine, die der Regierung in Taiwan mehr politische Unabhängigkeit verschaffen würde, zu verhindern. Hierbei spielt ganz besonders auch die US-Präsenz in Japan eine Rolle, die eine Frage nach eventueller chinesischer Vormachtstellung verhindert.

Mehrere Gebietstreitigkeiten (z.B. Spratley-Konflikt), die unaufgearbeitete japanische Vergangenheit und die vielen (wirtschafts)-politischen Probleme sorgen dafür, daß das Verhältnis China-Japan wohl auch in Zukunft nicht ohne Spannungen ablaufen wird. Dennoch lässt die geostrategische Nähe und besonders die komplementäre Wirtschaft einen erneuten Abbruch der Beziehungen sehr unwahrscheinlich erscheinen. Im Gegenteil wird das eher als ein Ansporn zu einer Suche nach besseren Verständigungsebenen gewertet.

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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