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Die 4 Töne - oder haben Sie schon mal Eier in China verkauft? - von Blandina Brösicke

Wer in China nach einem guten Essen die Rechnung bestellen will, wird mit den beiden Worten mai dan auf sich aufmerksam machen. Werden diese Worte aber nicht in den richtigen Tönen gesprochen, so kann es durchaus passieren, daß man statt dessen kund tut, man hätte Eier zu verkaufen, was ebenfalls mai dan heißt.

Diese beiden Ausdrücke unterscheiden sich wie sehr viele andere gleichlautende Wörter oder Verbindungen nur durch die Tonhöhe, in denen man sie spricht. Um nun die Rechnung zu bekommen, muß mai im 3. Ton und dan im 1. Ton gesprochen werden. Die Eierverkäufer brauchen zweimal den 4. Ton.

Auf einer Skala können die Tonhöhen und -verläufe der 4 Töne folgendermaßen dargestellt werden. Die Tonhöhen sind nicht absolut, sondern stehen in relativer Beziehung zueinander.


Tabelle aus Langenscheidt

Chinesische Toene


Der erste Ton hat eine sehr hohe Tonlage und einen gleichbleibenden Tonverlauf, wie z.B. in einem feierlichen "Amen"

[na] [li]

Der zweite Ton steigt von der mittleren Tonlage aus an. Man spricht ihn wie eine Frage, z.B. "was?", "wer?".

[na] [li]

Derdritte Ton ist der tiefste Ton. Er wird so gesprochen wie z.B. das "na" in "nanu" oder "na und".
Dabei ist allerdings zu beachten, daß bei 2 aufeinander folgenden Silben im dritten Ton die 1. Silbe im zweiten Ton und erst die 2. Silbe im dritten Ton gesprochen wird:

[nana] wird gesprochen wie

Steht die Silbe im dritten Ton alleine oder am Satzende, wird sie tief und dann noch etwas ansteigend gesprochen.

Der vierte Ton ist ein kurzer, fallender Ton wie bei einem Befehl: "Raus!"

[na]

Es ist immer die Rede von den 4 Tönen, das Hochchinesische besitzt aber im Grunde genommen 5 Töne. Zu den 4 bereits vorgestellten kommt noch der sogenannte schwache Ton. Nur wenige Schriftzeichen besitzen ihn. Häufiger kommt es vor, daß bei den aus zwei Silben bestehenden Wörtern die zweite Silbe den schwachen Ton annimmt und ihren eigentlichen Ton verliert.


Z.B. Mutter [mama] oder jüngerer Bruder [didi] dìdi

Wie gut man sich auch vorbereitet, die Töne richtig zu treffen, es kann dennoch wieder in Mißverständnissen enden, wenn es mehrere gleichlautende und gleichtönende Worte gibt. Der bei uns geläufige Begriff Mahjong für das beliebte chinesische Spiel z.B. wird in der Hochsprache májiàng ausgesprochen. Doch wenn man in einem chinesischen Kaufhaus danach fragt, kann es durchaus sein, daß man in die Lebensmittelabteilung geschickt wird. Denn májiàng heißt auch Sesampaste. Um sich aus diesem Schlamassel zu befreien, fügt ein Chinese einfach noch das Wort pài für Spiel ein und verlangt nach májiàngpài . Und das funktioniert!
Daß auch Chinesen Probleme mit der Verständigung haben, kann man daran sehen, daß sie sich bei Unklarheiten unsichtbare Schriftzeichen mit dem Finger in die Handfläche malen. Besonders für Angehörige verschiedener Dialekte ist diese Methode sehr hilfreich und zeigt einmal mehr, wie verbindend die chinesische Schriftsprache ist.



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